welches Schielen hat mein Sohn?

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Hallo,

in der Sehschule wurde ich abgespeist, es gäbe viele Arten von Schielen, und es bringe nichts, wenn ich mich dafür interessiere. Ich will aber doch was davon verstehen und die beste Behandlungsmöglichkeit finden. Deshalb schreibe ich hier.

mein Sohn hat schon seit Babyzeiten immer mal einen leichten Silberblick, besonders nach dem Aufwachen.
ab ca 4 Jahre hat er manchmal einen 'komischen Blick'; ich kam aber nicht auf die Idee, daß das Schielen sein könnte. Keine Auffälligkeit beim Kinderarzt.
ab ca 4 1/2 Jahre schielt er offensichtlich. (rechtes Auge nach innen, leicht nach oben) Erstmals Besuch beim AA. Brille und Abkleben.
jetzt 5 3/4 Jahre. Ich finde, der Schielwinkel hat sich verkleinert, was die Sehschule aber nicht bestätigte. Er zwinkert oft mit seinem rechten Auge. Ich interpretiere, daß dieses Auge auch schauen möchte.

Meine Fragen:

  1. wie heißt diese Art Schielen und ist das typisch oder untypisch und was hätte man schon früher erkennen können oder müssen?
  2. wie geht es weiter? Geht das Schielen von alleine wieder weg? (viele Erwachsenen sagen mir, sie hätten früher geschielt und jetzt nicht mehr) Die Augenmuskeln wachsen ja noch. Kann das sein, daß sie sich von selbst wieder richtig einstellen? Wenn ja, wie kann man das unterstützen?
  3. wie kann man anstrengungsarmes Sehen ermöglichen, zusammenpassende Seheindrücke von beiden Augen und daß die Augenstellung schön aussieht?
  4. Ist eine normale Weitsichtigkeitsbrille ok oder sollte ich vor der Einschulung noch was unternehmen mit Prismen oder Augenübungen?

Liebe Grüße
Synnie-do


Übernommen aus dem Archiv von Optometrie Online (Beitrag 4567) für den Probeaufbau.

4 Answers

Hallo Synnie-do,

es gibt wirklich viele Arten von Schielen - Deine Beschreibung reicht nicht aus, um Dir hier auf die Ferne eine Diagnose zu geben. Das Thema ist wirklich komplex. Wenn es Dich interessiert, kaufe Dir ein Buch dazu, z. b. den "Strabismus" von Josef Lang.

Ein Innenschielen bei Weitsichtigkeit lässt sich primär mit der richtigen Pluskorrektion in der Brille "beheben". Plusgläser wirken der Augeninnenschielstellung schon per se entgegen. Solchen Kindern gibt man dann gern auch ein wenig mehr Plus in die Brille, als subjektiv (also ungetropft) gemessen. Objektiv (also getropft) gemessen, geben diese Kinder oftmals viel mehr an Plus her! Das akkommodieren sie dann weg, was dazu führt, dass sie ohne oder mit zu schwacher Brille nach innen schielen.

Anstrengungsarmes Sehen erreicht Ihr mit der richtigen Pluskorrektion und wenn das nicht reicht, können noch motorisch ermittelte Prismen gegeben werden. Der binokulare Sehstatus ist in relativ kurzen Abständen zu überprüfen, vor allem, um rechtzeitig zu merken, ob der Visus auf dem schielenden Auge abfällt. Dann ist schnelles Handeln nötig, entweder Okklusionstherapie modifizieren bzw. wieder aufnehmen, oder Brille anpassen oder eben Schiel-OP. Bei Innenschielen ist immer engmaschige Kontrolle und schnelles Reagieren nötig, da der Visusabfall und damit Verlust des räumlichen Sehens sich innerhalb weniger Tage vollziehen kann.

Du solltest darauf achten, dass die Brille regelmäßig getragen wird und Dein Kind beobachten, ob die Schielstellung plötzlich mehr wird z. B. Hat Dein Kind denn räumliches Sehen, zumindest grob? Bei angeborenem Schielen (Schielbeginn innerhalb der ersten 6 Lebensmonate) ist das räumliche Sehen in der Regel subnormal, also eher schlecht ausgebildet. Da kann man auch nicht viel gegen unternehmen. Was nicht angelegt wurde, kann sich nicht ausbilden.

Viele Grüße
Kerstin

Hallo!
Kerstin, danke!
Binokularen Sehstatus engmaschig überprüfen, das heißt, dann muß ich doch dringend eine bessere Sehschule finden! Die bisherige wollte uns nur alle paar Monate.
Oder können das auch Optiker prüfen? Kostet mich das dann was?
Ich glaube, man sagte mir was von subnormalem räumlichen Sehen. Die Brille wird sehr regelmäßig und gerne getragen. Ich laß mir jetzt die getropften und ungetropften Werte schicken. hat sich ja in der AAPraxis niemand die Mühe gemacht, mir das zu erklären.
Ich frag meinen Sohn manchmal, wie denn die Augen so sehen. Neulich meinte er, wenn er mit dem schielenden Auge schaut, "sieht alles so verkrumpelt aus".
Soviel für heute. Gute Nacht!

Synnie-do

Hallo Synnie-do,

mit 5 Jahren kann das Schielen bereits manifest (also unumkehrbar) sein, das muss es aber nicht. Es gibt eine ganze Reihe von Augenoptikern, die die MKH anwenden. Ich würde raten, eine solche Messung durchführen zu lassen (zahlt die Kasse aber nicht!). Und manchmal gibt es dann "Kompetenzgerangel" mit den Augenärzen, weil MKH "böse" ist. Trotzdem kann es eine grosse HIlfe sein, WENN das Schielen noch nicht manifest ist.
Kerstin kann Dir bei Bedarf sicher ein paar gute Adressen geben

Viel Erfolg
Ernst

Hallo Synnie-do,

alle paar Monate ist relativ - alle 2 oder alle 6? Langt in dem Alter aber auch. Ich war mit meiner Tochter in dem Alter so ca. alle 3-4 Monate da. Mir wurde aber auch gesagt, wenn ich den Eindruck habe, dass es schlimmer wird, soll ich mich melden. Okklusionstherapie war da schon abgeschlossen. Die hatte sie schon mit 9 Monaten bekommen für ca. ein Jahr.

Wenn Dein Sohn sagt, er sieht auf dem Schielauge alles so verkrumpfelt, kann es sein, dass er da auch einen Astigmatismus hat - das ist eine Hornhautverkrümmung und die ist sehr häufig, also nicht tragisch. Aber: Die kann man bei so kleinen Kindern schlecht korrigieren, weil es sehr genauer Angaben bedarf, ob das Sehen besser oder schlechter wird, wenn man am Zylinder und der Achse "schraubt". Selbst viele Erwachsene haben da Probleme. Aber vielleicht können die Optiker hier Dir mehr dazu sagen, vor allem, wie man einen Asti bei Kleinindern korrigieren kann oder wie sie es machen.

Ich vermute, Dein Sohn hat frühkindliches Schielsyndrom, Beginn schon vor oder um den 6. Lebensmonat. Ich vermute auch, es ist manifest. Bei meiner Tochter habe ich mich auf das Abenteuer mit vollsensorischer Prismenkorrektion eingelassen - der Schuss ging nach hinten los. Es hätte nicht dürfen sein. Nur motorisch korrigiert, ist es in Ordnung, wenn das kind damit mehr Beschwerdefreiheit hat und besser lesen kann. Aber so weit seid Ihr ja noch nicht. Wichtig ist, dass der Visus im Auge behalten wird und ich bin gespannt, wenn Du die Werte bekommst, wie sie denn lauten.

Viele Grüße
Kerstin